Kirchspiel Obergeis

Untergeis

Untergeis ist mit seinen 560 Einwohnern der 2. größte Ort nach Obergeis der zum Kirchspiel gehört. Im Jahre 2009 wird er 750 Jahre alt. Untergeis wurde erstmals 1259 in einer Urkunde des Klosters Blankenheim erwähnt: „Anno 1259 bekennen der Probst H. und ganzer Konvent der Nonnen in Blankenheim, dass sie ihre Güter in Niedern-Geisha, welche Gerhardus besitze und jährlich 19 Schillinge, 1 Viertel Weitzen, 2 Hühner und eine Ganß zinsten….an ihr Siechenhaus übergeben hätten.“

 

Wie alt Untergeis wirklich ist, lässt sich aus dieser Urkunde nicht belegen, da der Ort ja bei Erstellung dieser schon existierte. Das Kloster Blankenheim ist ein Nachfolger des Nonnenklosters Aua, das 1229 nach dort verlagert wurde. Aus der Zeit des Klosters Aua, also dem 12. Jahrhundert dürften die obigen Rechte stammen, die der Konvent an sein Siechenhaus übertragen hat.


Damit wäre der Ort wesentlich älter als 750 Jahre. Nach Erkenntnissen der Ortsnamensforschung sind Orte mit der Endung „aha“ wie „Geisaha“ der älteren Siedlungsperiode und somit der Zeit vor der Klostergründung in Hersfeld zuzurechnen. In der Untergeiser Gemarkung lassen sich Siedlungsspuren aus der Jungsteinzeit bzw. Bronzezeit in Form der Reste von Hügelgräbern nachweisen.

 

Geschichtliches

 

  • Der Weiler Wendelroth (Ziesenroth) wurde im Zug der hochmittelalterlichen Wüstungsperiode im 14. Jh. aufgegeben und der Untergeiser Gemarkung zugeschlagen.
  • Im Dreißigjährigen Krieg nahm die Bevölkerung erheblich ab. Waren vor Beginn der Auseinandersetzungen noch 53 Haushalte vorhanden, blieben am Ende noch 13 Einwohner übrig.
  • Im Siebenjährigen Krieg (Brand der Stiftskirche in Hersfeld) war die Gemarkung Schlachtfeld zwischen französischen Besatzern und Truppen des Herzogs von Braunschweig. Die Bevölkerung verarmte durch die häufigen Einquartierungen und Ablieferungen.
  • 1806 wurde die bisherige Fachwerkkirche durch einen steinernen Neubau ersetzt.
  • Die im 17. und 18. Jahrhundert als Haupterwerbsquelle neben der Landwirtschaft vorherrschende häusliche Leinenweberei wurde im Zuge des Strukturwandels durch fortschreitende Mechanisierung immer bedeutungsloser.
  • Die Untergeiser Mühlen wurden im Zuge dieses Strukturwandels durch die Energiequelle Wasserkraft zum Antrieb der Maschinen als Produktionsstandort für Hersfelder Tuchhersteller interessant.
  • Eine dieser Mühlen war im Mittelalter eine „Hüttenmühle“ zur Erzverarbeitung.
  • Untergeiser Bürger nahmen an fast allen kriegerischen Auseinandersetzungen der Neuzeit teil: an den amerikanischen Unabhängigkeitskriegen als hessische Söldner, an den napoleonischen Feldzügen im Rahmen des westfälischen Truppenkontingents, an den Befreiungskriegen gegen Napoleon sowie dem Krieg zur Reichsgründung 1871und den beiden Weltkriegen, teilweise unter erheblichen Verlusten.
  • Mitte des 19. Jahrhunderts spitzte sich die wirtschaftliche Lage durch Missernten, zögerliche Reformen in der Landwirtschaft, den Strukturwandel in der Textilproduktion und die wachsende Bevölkerung erheblich zu, so dass große Teile der Bevölkerung in andere Regionen bzw. das Ausland abwanderten.
  • Nach dem Anschluss Hessens an Preußen wurde die ländliche Wirtschaftsweise erheblich reformiert. Das Gemeinschaftseigentum, insbesondere der Hutewald, wurde aufgeteilt und Anfang des 20. Jahrhunderts die Gemarkung neu geordnet sowie ein Wegenetz geplant („Verkoppelung“) und damit die mittelalterliche Wirtschaftsverfassung der Dreifelderwirtschaft endgültig abgelöst.
  • Im 20. Jahrhundert zog die Moderne ein: Ein Wasserleitungsnetz wurde installiert, der Ort an das Strom- und Telefonnetz angeschlossen und ein neues Schulgebäude sowie ein Dorfgemeinschaftshaus mit Feuerwehrgerätehaus und Schlachthaus errichtet.
  • Im 20. Jahrhundert zog die Moderne ein: Ein Wasserleitungsnetz wurde installiert, der Ort an das Strom- und Telefonnetz angeschlossen und ein neues Schulgebäude sowie ein Dorfgemeinschaftshaus mit Feuerwehrgerätehaus und Schlachthaus errichtet.
  • Seit 1972 ist Untergeis Ortsteil der Großgemeinde Neuenstein.

 

untergeis-innen-homepage